Auf dem Platz: Batalha, Sao Miguel, Azoren

Der Empfang im Batalha GC war so, wie ich es mag: Unkompliziert, herzlich, kompetent. Ich hatte vorher kurz angerufen. Da mir die Fragen nach Abschlagzeit, Wetter und Leihschlägern positiv beschieden wurden, war ich sehr  vorfreudig, als mich meine Liebste, die die Zwischenzeit mit einem Einkaufsbummel in Ponta Delgada verbringen wollte, zum Platz fuhr. Wieso fragte ich eigentlich nach dem Wetter? War ich nicht auf einer überschaubar großen Insel?

Eine Spezialität der Azoren ist die unbeständige und höchst unterschiedliche Wetterlage. Tatsächlich hatten wir an unserem lediglich 25 Minuten entfernten Wohnort einigermaßen trübes und böhiges Wetter. Am und über dem Platz herrschten perfekte Bedingungen: wenige Wolken, 20 Grad, interessanter, aber nicht allzu beeinflussender Wind. Wie schon telefonisch angekündigt war der Platz nahezu leer. Es könnte also eine sehr schöne Runde werden.

Im Pro-Shop erlebte ich eine Überraschung: Es gab ein Spezialangebot, das aus einer Runde, einem Satz Leihschläger und nach Wahl Trolley oder Buggy bestand. Hier muss man vorwegschicken, dass es nur wenige verlässliche Informationen über die beiden Golfplätze auf Sao Miguel gibt. Eine weitere azoreanische Spezialität könnte man sagen, denn wer z.B. auf Anhieb den interinsulären Transport versteht, dem verspreche ich eine anerkennend hochgezogene Augenbraue. Nun ließen mich die im Vorfeld zu sammelnden Informationen zu dem Schluss kommen, dass für die Leihschläger 40 € und für das Greenfee 80 € aufzubringen seien. Im Rahmen des Spezialangebotes bekam man dies sowie das Schlägertransportmittel für insgesamt 95 €. Buggies kann ich eigentlich nicht leiden, da sie den Rhythmus auf dem Platz durcheinanderbringen, aber da das auf einem leeren Platz nicht so tragisch sein kann, wählte ich die elektrische Sitzvariante. Schließlich war ich im Urlaub und hatte außerdem am Tag zuvor eine 20 Kilometer lange Wanderung gemacht.
Im Pro-Shop, der gar nicht so einfach zu finden war, wie erwartet, da er sich auf der linken Gebäudeseite des recht großen Clubhauses befindet, bekam ich noch einen Schrankschlüssel für die Umkleide, brachte meine Wechselutensilien dort unter und dann konnte es losgehen. Der Caddiemaster, der mich schon sehr hilfsbereit zum Pro-Shop geführt hatte, übergab mir den Buggy mit bereits montierten Schlägern und zeigte mir die Wege zu Range und Abschlag des C-Kurses. Auf der leicht ansteigenden Range mit unterschiedlichen Zielen und einem mittelgroßen Baum in der Mitte, der für hohe Drives ein schönes Ziel darstellte, war ich alleine und konnte mich mit dem Material vertraut machen. Der Leihsatz bestand aus etwas älteren Titleist-Hölzern (909, Driver, Holz 3 und Hybrid mit 19 Grad) und -Eisen (AP1 mit etwas wabbeligen Graphitschäften, 4-PW), einem Vokey-SW sowie einem angenehm zu spielenden Scotty Cameron Newport Putter. Insgesamt kein Satz, der mich im nächsten Augenblick zum Pro-Shop rasen ließe, um genau den zu kaufen, aber für eine entspannte Urlaubsrunde völlig in Ordnung. Und genau das war es, was vor mir lag. Abgesehen von ein paar Platzpflegern, die allesamt sehr freundlich waren und wiederholt ein interessiertes Schwätzchen über den Platzzustand anfingen, war der Platz leer. Ich sah auf der gesamten Runde nur einen anderen Spieler aus der Ferne.
Der Batalha Golfkurs ist der jüngere der beiden Plätze auf Sao Miguel und besteht aus drei 9-Loch-Schleifen, die man beliebig kombinieren kann. Nicht sonderlich poetisch, doch gleichwohl zweckmäßig, sind sie mit A, B und C bezeichnet. Der C-Kurs wurde mir als technisch anspruchsvoll beschrieben, während A und B vor allem für bequemes Urlaubsspiel gedacht seien, außerdem sei der C-Kurs definitiv leer. Daher entschied ich mich für die Kombination CA. Ich begann auf dem moderat langen Par 4 mit einem leicht gepushten Drive, der mir die Gelegenheit gab, zum ersten Mal in den mit grauem Vulkansand gefüllten Bunkern zu stehen. Von dort folgte ein akzeptabler Schlag an die linke Grünkseite. Dort fand ich den Ball im Rough, aus dem ich mich aber mit dem Vokey einigermaßen befreien konnte. Das Grün war beispielhaft für den gesamten C-Kurs: weich, nicht übermäßig gut gepflegt, mittelschnell, aber doch ziemlich treu und subtil onduliert. Das folgende Par 5 war prima: ein Doppeldogleg mit einem von Bäumen eingefassten Grün.
Nach einem langweiligen Par 3 folgte ein sehr ansprechendes Par 4, das gut 30 m nach unten führte, von einer der typischen groben Steinmauern am linken Rand begrenzt wurde und dessen Grün auf der rechten Seite von einem Teich verteidigt wurde. Außerdem: Die Atlantikküste im Norden Sao Miguels wurde deutlich sichtbar.
Nun kam wieder ein Par 3 an die Reihe. Das hätte optisch eine gute Figur machen können, wenn nicht das große Wasserhindernis auf der linken Seite ausgetrocknet gewesen wäre. So war es wiederum ziemlich öde. Ein souveränes Tap-In-Par konnte diesen Umstand ein wenig abmildern. Nun folgten drei angenehm zu spielende Par 4, die allesamt mehr oder weniger abknickende Doglegs nach links waren. Da mir das aber erst jetzt beim Schreiben auffällt: sie spielten sich abwechslungsreicher, als das klingt, da die Grüns mal nach oben, mal nach unten, mal hinter Bäumen lagen und die Blicke vom Tee sich auch jeweils unterschieden. Dennoch waren diese Bahnen allesamt nichts Besonderes, sondern lediglich ganz herkömmliche Parklandlöcher. Die generell recht breiten Fairways, die von maximal mittelmäßiger Qualität waren, sind von dichtem Baumbestand gesäumt, der sich auf den ersten Blick gar nicht so sehr von unseren heimischen Faiwaybegrenzungen unterscheidet, dann aber doch wesentlich dichter und üppiger ist, als wir das auf unseren Heimatkursen kennen. Der C-Platz wurde von einem wiederum nett zu spielenden Par 5 abgeschlossen, das für Longhitter allerdings recht tückisch sein dürfte, da die Spielbahn nach ungefähr 200 m einen rechter Winkel nach rechts beschreibt und das Abkürzen über die Bäume auf der rechten Seite relativ schwierig erschien. Na ja, ist eh nicht mein Problem. Die Strategie mit drei Schlägen zum Grün war verhältnismäßig einfach. Zusammengefasst war der C-Kurs gut zu spielen, aber ganz sicher keine Offenbarung irgendeiner Art.
Der A-Kurs fing dann schon verheißungsvoller an. Der Atlantik in Sicht, ein deutlich kleineres Wasserhindernis in Schlagdistanz: So war der Blick vom Abschlag des Par 5.
Schon auf dem ersten Loch konnte man erahnen, welches Designfeature für diese Schleife charakteristisch ist: erhöhte Grüns, insbesondere von vorne. Allerdings ist der Platz insgesamt recht weich, so dass die Bälle, die das Grün knapp vorne verfehlen, teilweise sogar noch im Hang liegenbleiben. Das schottlandtypische Zurückrollen um viele Meter blieb meistens aus.
Tatsächlich spielte sich der A-Kurs wesentlich offener. Ich denke, auch wenn man eher lang und breit spielt, ist der Kurs sehr angenehm. Die Grüns auf A waren in sehr gutem Zustand und sahen vor allem viel gepflegter aus, als auf C. Das Bahndesign ist auch hier von hoch-runter und mehr oder weniger starken Doglegs dominiert. Das für mich schönste Loch des Platzes war die 13. ein Par 5, ungefähr 500 m lang, das nach der Drivelandezone einen nicht ganz rechten Winkel nach links beschreibt, so dass man hier auch über das im Knick liegende Wasserhindernis je nach Fähigkeit, Selbsteinschätzung und Laune beliebig abkürzen kann. Rechts neben dem Grün steht eine rustikale Natursteinhüttenruine.
Das Panorama auf diesem Teil des Platzes, geprägt von üppig bewachsenen Kraterhängen oder der Nordostküste Sao Miguels, ist fraglos grandios. Aber auch hier gilt, dass der Gesamteindruck für die Anlage, vor allem in Bezug auf die Pflegequalität, eher gut, aber nicht grandios ist.
Auch wenn sich diese Besprechung nicht gerade euphorisch liest: Ich würde diesen Platz jederzeit wieder spielen. Die Umgebung und die Tatsache, dass der Platz so wunderbar leer war, machen letztlich einen wunderbaren Urlaubsplatz aus. Im Vergleich zu dem älteren Platz der Insel, Furnas, fällt Batalha aber deutlich ab.